Eines der deutlichsten Marktsignale im Interim Management ist derzeit die steigende Nachfrage nach erfahrenen Führungskräften und Experten, die das Krisenmanagement beherrschen. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und strukturelle Umbrüche setzen viele Unternehmen massiv unter Druck. Gerade in solchen Phasen bietet Interim Management eine besonders wirksame Lösung, um kurzfristig Handlungssicherheit, Stabilität und operative Führung zu gewährleisten.
Dieser Beitrag hat das Ziel, Interim Managerinnen und Interim Managern sowie weiteren Fach- und Führungskräften praxisnahe Einblicke und konkrete Impulse für erfolgreiches Krisenmanagement zu geben.
Der Artikel beruht auf der Expertise von:
- Pascale Valerdi – Interim Managerin mit Spezialisierung auf Reorganisation, Sanierung und Restrukturierung
- Jean-Pierre Michot – Interim Manager mit Spezialisierung auf deutsch-französische und internationale Zusammenarbeit,sowie auf Krisenmanagement
- Frédéric Tissot – Interim Manager mit Spezialisierung auf Krisenmanagement
- David Guitton – Ehemaliger Interim Manager und Leiter der Abteilung Interim Management bei Proevolution. Durch seine Tätigkeit begleitet er auch Unternehmen beim Krisenmanagement.
Inhaltsverzeichnis
- Wirtschaft in der Krise? Gutes oder schlechtes Zeichen für Interim Management?
- Was ist eine Unternehmenskrise?
- Welche Qualitäten und Kompetenzen sind entscheidend für das Krisenmanagement im Interim Management?
- Wie bereitet man im Krisenmanagement das Ende des Interim Management-Mandates vor?
- Fazit: Interim Management und Krisenmanagement
Wirtschaft in der Krise? Gutes oder schlechtes Zeichen für Interim Management?
Wir leben in einer Zeit permanenter Krisen: Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine, geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, fragile Lieferketten und eine insgesamt wachsende wirtschaftliche Unsicherheit. Auch deutsche Unternehmen spüren diese Entwicklung deutlich – sei es durch schwaches Wirtschaftswachstum, steigenden Kostendruck, Investitionszurückhaltung oder die Schließung ganzer Standorte.
So belastend die aktuelle Lage für viele Unternehmen auch ist: Sie verändert zugleich den Markt und schafft neuen Handlungsdruck. Klassische Managementansätze stoßen in solchen Situationen oft an ihre Grenzen. Genau hier gewinnt Interim Management an strategischer Bedeutung.
Interim Managerinnen und Interim Manager werden zunehmend als unabhängige Krisenexperten eingesetzt, wenn Unternehmen schnell, pragmatisch und wirksam handeln müssen. Sie helfen dabei, komplexe Veränderungsprozesse zu steuern, Standorte zu stabilisieren, Restrukturierungen umzusetzen, drohende Werksschließungen abzuwenden oder unter hohem regulatorischem Druck belastbare und rechtssichere Strukturen zu schaffen.
In diesem Sinne ist Interim Management in vielen Fällen nicht nur eine Option, sondern ein zentraler Hebel im professionellen Krisenmanagement.
Was ist eine Unternehmenskrise?
Bevor eine Krise bewältigt werden kann, muss sie zunächst erkannt und richtig eingeordnet werden. Doch was genau versteht man eigentlich unter einer Unternehmenskrise?
Eine Krise kennzeichnet sich häufig als plötzliches und intensives Auftreten – oder als abrupte Verschärfung – eines zuvor bereits latent vorhandenen Problems.
Auf Unternehmen übertragen bedeutet das: Eine Krise ist ein Ereignis oder eine Verkettung von Ereignissen, die den normalen Geschäftsbetrieb erheblich stören und die Organisation ebenso wie ihre Mitarbeitenden in ein Klima hoher Unsicherheit versetzen.
Dabei kann der Auslöser intern (endogen) oder extern (exogen) sein – oder beides gleichzeitig. In solchen Fällen ist zunehmend von einer Polykrise die Rede. Charakteristisch für eine Unternehmenskrise ist, dass sie häufig mit hoher Dynamik eintritt. Sie trifft das Unternehmen in einer Situation, in der die vorhandenen Ressourcen, Strukturen oder Entscheidungsmechanismen nicht ausreichen, um richtig zu reagieren.

Welche Warnsignale gibt es bei Kriseneinsätzen?
Die Signale können subtil oder sehr deutlich sein. Es gibt Die Anzeichen einer Krise können sehr unterschiedlich ausfallen – manche sind offensichtlich, andere zeigen sich zunächst nur unterschwellig. In besonders gravierenden Fällen sind die Warnsignale unübersehbar, etwa wenn ein Geschäftsführer plötzlich ausfällt oder sogar inhaftiert wird. Häufiger beginnt eine Krise jedoch leiser: mit einer zunehmenden Abwesenheit wichtiger Mitarbeitender, ausbleibenden Rückmeldungen von Kunden oder Lieferanten oder einer spürbar nachlassenden Reaktionsfähigkeit im Tagesgeschäft.
Auch die Formen von Krisen sind vielfältig. Sie können von außen auf das Unternehmen einwirken – wie etwa während der Covid-19-Pandemie – oder intern entstehen. Dazu zählen beispielsweise personelle Ausfälle aufgrund schwerer Erkrankungen, etwa wenn eine geschäftsführende Person nach einem Schlaganfall kurzfristig ersetzt werden muss. Ebenso kann eine Krise durch einen internen Verdachtsfall ausgelöst werden, etwa bei möglicher Veruntreuung, die eine sofortige Trennung von Mitgliedern der Geschäftsleitung erforderlich macht.
Neben diesen akuten Krisensituationen gibt es auch sogenannte schwache Signale, die häufig unterschätzt werden. Dazu gehören unter anderem eine steigende Fehlzeitenquote, Kompetenzlücken infolge beschleunigter Digitalisierung oder ein Kundenservice, der unter einer wachsenden Zahl von Beschwerden zunehmend an seine Grenzen stößt.
Für David Guitton kann sogar ein zunächst nur leichter Motivationsverlust im Führungskreis bereits ein ernst zu nehmendes Warnsignal sein. Denn gerade in schwierigen Phasen ist ein geschlossenes, handlungsfähiges Top-Management entscheidend, um Stabilität zu sichern und das Unternehmen durch die Krise zu führen.

Welche Qualitäten und Kompetenzen sind entscheidend für das Krisenmanagement im Interim Management?
Wenn Unternehmen in eine Krise geraten, benötigen sie nicht einfach nur operative Unterstützung, sondern Persönlichkeiten mit einem sehr spezifischen Kompetenzprofil. Im Krisenmanagement kommt es daher auf Interim Managerinnen und Interim Manager an, die fachliche Exzellenz mit menschlicher Reife und hoher Belastbarkeit verbinden.
An erster Stelle steht dabei die Fähigkeit zuzuhören. Denn gerade in Krisensituationen sind nicht Prozesse oder Strukturen allein entscheidend, sondern vor allem die Menschen im Unternehmen. Es geht darum, den Dialog aktiv zu suchen, Vertrauen aufzubauen, Nähe herzustellen – und dabei dennoch die professionelle Distanz zu wahren, die in schwierigen Entscheidungen notwendig ist.
Ebenso zentral ist eine ausgeprägte innere Stabilität. Wer in Krisensituationen Verantwortung übernimmt, muss in der Lage sein, auch unter Druck authentisch, klar und handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig braucht es die Fähigkeit, emotionalen Abstand zu bewahren, um nicht in die Dynamik der Krise hineingezogen zu werden und langfristig leistungsfähig zu bleiben.
Hinzu kommt eine hohe fachliche Qualifikation. Kriseneinsätze verlangen nicht nur Erfahrung, sondern oft auch tiefes Know-how in Bereichen wie Restrukturierung, Transformation, Führung, Arbeitsrecht oder Stakeholder-Management. Genauso wichtig sind jedoch ausgeprägte soziale Kompetenzen: Wer in einer Krise wirksam sein will, muss Teams ebenso einbinden können wie Behörden, Betriebsräte, Gewerkschaften, Kunden oder andere externe Partner.
Nicht zuletzt sind Resilienz und Belastbarkeit unverzichtbar. David Guitton betont in diesem Zusammenhang, dass diese persönliche Stabilität regelmäßig bewusst gestärkt und regeneriert werden muss. Das geht etwa durch ein belastbares Netzwerk, den Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen oder mit dem mandatsverantwortlichen Ansprechpartner, der als Sparringspartner zur Seite steht.

Interim Management und Krisenmanagement: Wie geht man mit der Einsamkeit um?
Die Erfahrung von Isolation gehört oft zur Realität von Führungskräften, die in kritischen Situationen Entscheidungen treffen müssen. Für Interim Managerinnen und Interim Manager gilt das in besonderem Maße. Sie übernehmen Verantwortung in hochsensiblen Phasen, agieren unter erheblichem Druck und treffen nicht selten Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen für das gesamte Unternehmen.
Umso wichtiger ist es, diese besondere Belastung ernst zu nehmen und bewusst für Ausgleich zu sorgen. Ob durch Sport, den Austausch mit vertrauten Personen, Rückzug im privaten Umfeld oder gezielte Regenerationsphasen – wer in Krisensituationen dauerhaft handlungsfähig bleiben will, braucht persönliche Stabilität und wirksame Wege, innere Spannungen abzubauen.
Eine wichtige Ressource ist dabei der Austausch mit anderen erfahrenen Interim Managern. Gerade Netzwerke können in belastenden Mandaten eine wertvolle Stütze sein – fachlich ebenso wie menschlich. Der Dialog mit Personen, die vergleichbare Situationen bereits erlebt haben, hilft nicht nur bei der mentalen Entlastung, sondern eröffnet häufig auch neue Perspektiven für konkrete Entscheidungen.
Ebenso zentral ist der regelmäßige Kontakt mit dem mandatsverantwortlichen Ansprechpartner. In intensiven Phasen kann dieser als Vertrauensperson, Sparringspartner und Coach eine entscheidende Rolle spielen. Denn gerade im Krisenmanagement zeigt sich immer wieder: Tragfähige Entscheidungen entstehen selten in völliger Isolation.
Was für Krisenmandate in besonderem Maße gilt, lässt sich grundsätzlich auch auf viele andere Einsätze im Interim Management übertragen.

Krisenmanagement: Welche Haltung ist entscheidend zur Mobilisierung der Teams?
Interim Management mit Krisenmanagement als Ziel muss sofort Sicherheit und Motivation ins Unternehmen bringen.
Es empfiehlt sich dementsprechend, souverän aufzutreten und auch bei Überraschungen Ruhe und Zuversicht auszustrahlen. Ein Interim Manager muss wie ein „Leuchtturm“ sein, der Orientierung gibt – nicht wie ein Scheinwerfer, der blendet.
Wichtig ist dabei:
- den Weg aufzuzeigen,
- ehrlich zu bleiben,
- keine falschen Versprechen zu machen,
- sondern transparent die nächsten Schritte zu erklären.
Leadership steht dabei im Zentrum: Es ermöglicht, Vertrauen zu schaffen, Selbstvertrauen zu haben und gleichzeitig Demut zu bewahren.
Mobilisierung erfolgt auch durch Vorbildfunktion: Kompetenz zeigen, präsent sein und nah an den Teams arbeiten.
Folgendes Prinzip hilft beim Krisenmanagement (und auch im Allgemeinen im Interim Management):
„Ich sage, was ich tue, und ich tue, was ich sage.“

Welche Rolle spielt das Netzwerk beim Krisenmanagement?
Im Krisenmanagement – und darüber hinaus im Interim Management insgesamt – spielt das persönliche und professionelle Netzwerk eine zentrale Rolle. Gerade in angespannten Situationen zeigt sich oft, wie wertvoll belastbare Kontakte und gewachsene Beziehungen tatsächlich sind.
Insbesondere externe Ansprechpartner, etwa bei öffentlichen Institutionen, Behörden oder wirtschaftsnahen Organisationen, können in kritischen Phasen entscheidende Impulse geben. Sie helfen nicht nur dabei, Situationen besser einzuordnen, sondern eröffnen häufig auch neue Perspektiven und konkrete Lösungswege.
Auch lokale Akteure, Lieferanten, Partner und institutionelle Ansprechpartner können in Krisensituationen wertvolle Unterstützung leisten. Gerade wenn schnelle Entscheidungen, pragmatische Lösungen oder zusätzliche Handlungsspielräume gefragt sind, kann ein gut gepflegtes Netzwerk einen echten Unterschied machen.
Nicht zuletzt ermöglicht ein starkes persönliches Netzwerk auch in besonders schwierigen Lagen – etwa bei finanziellen Engpässen oder Restrukturierungssituationen – einen direkteren Zugang zu relevanten Ressourcen, Informationen und Entscheidungsträgern.

Wie bereitet man im Krisenmanagement das Ende des Interim Management-Mandates vor?
Eine der klassischen Herausforderungen im Interim Management – und besonders im Krisenkontext – besteht darin, dass das Ende des Mandats häufig nicht früh genug oder nicht ausreichend präzise vorbereitet wird. Dabei sollte die Übergabe idealerweise von Beginn an mitgedacht werden.
Gerade im Krisenmanagement sind die Diagnosephase, die eingeleiteten Maßnahmen und die erreichten Fortschritte nicht nur operative Steuerungsinstrumente, sondern zugleich die Grundlage für eine saubere Übergabe. Sie bilden gewissermaßen den Abschlussbericht und sollten so dokumentiert sein, dass eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger unmittelbar darauf aufbauen kann.
Denn ein Interim Manager ist per Definition nur auf Zeit im Unternehmen. Umso wichtiger ist es, den Übergang klar, professionell und auch symbolisch bewusst zu gestalten. Verantwortung muss sichtbar übergeben und Raum für die nachfolgende Führung geschaffen werden.
Auch wenn sich im Verlauf eines Mandats gelegentlich die Möglichkeit einer unbefristeten Anstellung ergeben kann, sollte dies nicht das Ziel eines Interim Managers sein. Professionelles Interim Management bedeutet vor allem, einen klar umrissenen Auftrag wirksam zu erfüllen, die Krise zu stabilisieren, den richtigen Zeitpunkt für den Rückzug zu erkennen und den Nachfolger gezielt in den Vordergrund zu stellen.
David Guitton weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Krisenmanagement andere Fähigkeiten erfordert als die langfristige Führung eines Unternehmens. Deshalb wird nach einer akuten Krisenphase nicht selten bewusst eine andere Führungspersönlichkeit eingesetzt, die den nächsten Schritt in Richtung Stabilität und nachhaltige Entwicklung gestaltet.

Fazit: Interim Management und Krisenmanagement
Krisenmanagement im Interim Management lässt sich mit der Navigation auf hoher See vergleichen: Wer in stürmischen Zeiten Verantwortung übernimmt, muss Orientierung geben, Entscheidungen treffen und auch unter Druck handlungsfähig bleiben. Wirklich erfolgreich ist dabei nur, wer sich auf Erfahrung, ein belastbares Netzwerk und die richtigen Menschen im Umfeld stützen kann. Genauso wichtig ist es zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, Verantwortung wieder zu übergeben.
Für Unternehmen bedeutet das: In Krisensituationen kommt es entscheidend darauf an, die richtige Persönlichkeit mit den passenden Kompetenzen an Bord zu holen. Für Interim Managerinnen und Interim Manager wiederum ist es ebenso wichtig, gut begleitet zu werden, um Mandate zu identifizieren, in denen sie ihre Wirkung gezielt entfalten können.
Wenn Sie über ein konkretes Projekt sprechen möchten oder sich mit dem Thema Krisenmanagement im Interim Management näher beschäftigen, freuen wir uns auf den Austausch.
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- Für Unternehmen: Sehen Sie Bedarf an Krisenmanagement? Dann lassen Sie uns reden.
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